 | In "Deutsche Perspektiven" entwirft Erich Kuby ein Bild des doppelten Deutschland, das am Ende des 20. Jahrhunderts als neue Großmacht in die grenzenlosen Märkte des Ostens einbrechen und ein deutsches Europa bevormunden wird. Anlässlich der Verleihung des Publizistikpreises der Stadt München wurde Erich Kuby 1992 "Musterschüler der Kassandra" genannt. Erwartend, das steinreiche Deutschland werde den wirtschaftlichen Ost-Klotz am Bein noch im vergangenen Jahrtausend loswerden, erweist er sich als Optimist. In jeder anderen Hinsicht sieht er schwarz. Dieser führerlose Staat mit seinen abgewirtschafteten Parteien erschien wie eine "geschlossene Anstalt", deren Insassen an jenem politischen Wirklichkeitsverlust erkrankt sind, der uns unter anderem zwei verlorene Weltkriege gekostet hat. Diesmal, schreibt Kuby, werden wir ganz ohne Krieg als die alten Besserwisser aus unseren Freunden neue Feindbilder machen, mit der Konsequenz, dass auch wir zu ihrem neuen / alten Feindbild werden. Dieser Entwicklung ist mit Lichterketten einerseits, praktiziertem Fremdenhass andererseits nicht beizukommen.
| Zurück | TOP ^ | |  |