 | Im September 2001 wird in der Themse der Torso eines etwa fünfjährigen Jungen afrikanisch-karibischer Herkunft gefunden. Die Ermittlungen ergeben, dass der Junge Opfer eines Ritualmordes wurde, wie er bislang hauptsächlich im südlichen Afrika praktiziert wird.
Oliver Becker untersucht die kriminologischen, religiösen, medizinischen und historischen Hintergründe der „Muti-Morde“, die eine Extremform okkulten Glaubens darstellen. Für Scotland Yard beginnt im September 2001 eine der aufwändigsten und schwierigsten Mordermittlungen: In der Themse treibt der blutleere Torso eines etwa fünfjährigen Jungen afrikanisch-karibischer Herkunft. Arme, Beine und Kopf des Opfers bleiben bis heute verschwunden. Erst die Hinweise der weltweit einzigen Polizeieinheit für okkulte Verbrechen in Pretoria, die 1992 als Antwort auf die plötzlich gestiegene Zahl von Muti-Morden gegründet wurde, legen die Vermutung nahe, dass der Junge Opfer eines Ritualmordes wurde, wie er bislang hauptsächlich im südlichen Afrika praktiziert wird. Diese mysteriösen „Muti“- oder Medizinmorde stellen eine Extremform okkulten Glaubens dar: Körperteile oder Blut eines gezielt ausgesuchten und getöteten Menschen sollen als so genannte „Muti Medizin“ eingenommen oder vergraben, einem anderen Menschen Glück, Gesundheit, Macht, Reichtum oder Stärke verleihen.
Was zunächst nur als ein Beitrag über die Ermittlungsarbeit in diesem Londoner Ritualmordfall geplant war, hat sich allmählich zu einem subjektiven, teilweise bewegenden Erfahrungsbericht über die kriminologischen, religiösen, medizinischen und historischen Hintergründe okkulten Glaubens und einer bestimmten Form von Ritualmord in einer Region Afrikas verdichtet, der auch als einstündige Fernsehdokumentation Ende April bei ARTE gezeigt wird.
Während der fast zweijährigen Recherchen hatte der Autor nicht nur Gelegenheit Interviews mit den leitenden Beamten von Scotland Yard und den Ermittlern der „Occult related Crimes Unit“ sowie mit einem der renommiertesten Wissenschaftler des African Studies Center im niederländischen Leiden zu führen. Die Untersuchung führte ihn auch in den Süden Afrikas, wo er mit Schulmedizinern, traditionellen afrikanischen Heilern, Psychologen, Anthropologen, Religionsethnologen und einem Verbrechensforscher, einem spirituellen Medium und nicht zuletzt mit einer Angehörigen eines Muti-Mordopfers Gespräche führen konnte.
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