 | Die Heftigkeit des gegenwärtigen Antiamerikanismus sowohl unter europäischen Eliten als auch bei einem großen Teil der Bevölkerung hängt nur wenig mit dem konkreten Handeln der USA, dafür aber viel mehr mit dem Sein Amerikas als halluziniertes Anti-Europa zusammen. Ein Exkurs über den gegenwärtigen, sich europaweit manifestierenden Antisemitismus stellt dessen zentrale Bedeutung für den Antiamerikanismus heraus. Was Umfragen behaupten, bestätigt jede Europareise: Die Aversion gegenüber Amerika wird größer, lauter, entschiedener. Sie eint die Westeuropäer inzwischen mehr als jede andere politische Emotion - die gemeinsame Antipathie gegenüber Israel ausgenommen.
Im heutigen Europa gehören diese beiden eng miteinander verwandten Aversionen und Ressentiments zum guten Ton. Sie sind im Diskurs der politischen Klassen wie der kulturellen und medialen Eliten, aber auch in der Gesellschaft selbst von London bis Athen, von Stockholm bis Rom präsent und salonfähig, auch wenn europäische Politiker bei ihren Besuchen in Washington und europäische Professoren auf internationalen Tagungen über Antiamerikanismus und Antisemitismus sich heftig bemühen, den Befund zu leugnen oder schönzureden.
Andrei S. Markovits zeigt, dass der Antiamerikanismus seine derzeitige Virulenz unter den europäischen Eliten weniger aus der konkreten – und verheerenden – Politik der Bush-Administration bezieht, denn aus Traditionsbeständen, die mehr als zweihundert Jahre alt sind.
Nach einer Gegenüberstellung von Handeln und Sein Amerikas wendet sich Markovits den Ursprüngen der antiamerikanischen Grundierung des europäischen Eliten-Diskurses zu. Anhand von Gegenständen, die – wie etwa Fußball, Amokläufer und Wetter – kaum in den herkömmlichen Bereich der Politik fallen, zeigt Markovits die Omnipräsenz antiamerikanischer Ressentiments in Europa. Die wenigen fortschrittlichen Reformen, die die Vereinigten Staaten Europa voraus haben, werden auf dem Kontinent mit Hohn und Spott abgetan.
Ein Exkurs über den gegenwärtigen, sich europaweit manifestierenden Antisemitismus stellt dessen zentrale Bedeutung für den Antiamerikanismus heraus.
Abschließend diskutiert das Buch die identitäts- und sinnstiftende Funktion des Antiamerikanismus im Gründungsprozess eines einigen Europa, das nach seiner Rolle im Rahmen einer sich neu formierenden Weltordnung sucht.
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