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36 Jahre Konkret CD

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Heft 07 2006

an konkret

Burschenkarriere

KONKRET 6/06: "Genossen und Volksgenossen" von Martin Behrens

In seinem 2002 bei Propyläen erschienenen Werk Die Wannsee-Konferenz erwähnt dessen Verfasser Mark Roseman mehrfach einen "Germania"-Burschenschaftler namens Rudolf Lange. Dieser Lange war Leiter des Einsatzkommandos 2 und Kommandeur der Sicherheitspolizei des Generalkommissariats Lettland mit Sitz in Riga. Unter seinem Befehl wurden im Rigaer Ghetto Ende November 1941 annähernd 26.000 lettische Juden ermordet. Lange gehörte ferner neben Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann und Roland Freisler zu den Teilnehmern der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942, auf der ein für Reichsmarschall Hermann Göring bestimmter "Entwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Belange im Hinblick auf die Endlösung der europäischen Judenfrage" besprochen wurde, wie es im Original heißt. Daß CDU-Landtagspräsident Jürgen Gansäuer anläßlich seiner in Anwesenheit auch von "Germania"-Burschenschaftlern gehaltenen Rede zum 175jährigen Bestehen der Universität Hannover den Burschen Lange erwähnt hätte, konnten die Medien nicht berichten.
Lutz Wernicke
Bad Münder

Verständnisfrage

KONKRET 6/06: Gremlizas Express

"Eben so, wie Dr. phil. Dietrich Dehnen zum Leutnant einer Elitetruppe wurde", wird laut Gremliza ein Iraker zum Entführer. Wie soll man das verstehen? Hat Herr Dr. phil Dietrich Dehnen zwei deutsche Ingenieure entführt, um sie gegen ein Lösegeld wieder freizulassen? Nach der Zerstörung seiner Heimat durch US-Truppen? Wenn das der Guido Knopp erfährt ...
Benjamin Schett
per E-Mail

Definitionsmenge

KONKRET 6/06: "Was nicht tun" von Hermann L. Gremliza

In Anbetracht dieser Ausführungen ist das von Micha Brumlik damals wie heute ausgestellte "Zeugnis" ("Die Linke hat der neuen geschichtlichen Epoche nichts mehr mitzuteilen") m. E. noch äußerst zurückhaltend und eher wohlwollend formuliert. Denn wenn es überhaupt eine nennenswerte "deutsche Linke" im "klassischen Sinne" gibt, so begnügt sie sich tatsächlich bereits damit, durch das Abrufen von lange bewährten "Glaubensbekenntnissen" in den Augen ihrer "Gegner" als "erkennbare Größe" wahrnehmbar zu sein. Eine ernsthafte "Anstrengung des Kopfes" als vermeintlich linke Grundeigenschaft wäre für die große Mehrheit derjenigen, die sich immer wieder selbst mit dem Etikett "links" versehen, schon ein eindeutiger Fortschritt.
Die chronische "Ohnmacht der Linken" und die "Macht der anderen" hat also dazu geführt, daß sogar Hermann Gremliza teilweise die Prinzipien der Herren Populisten verworfen und bedingt die Logik der "Herren Pragmatiker" angenommen hat. Zwar läßt man sich dadurch nicht "dumm machen", aber zumindest vorsichtiger und etwas leiser, in einem "kühlen dialektischen" Sinn. Was bleibt dem "Linken à la Gremliza" also übrig? - "Es darf gedacht werden, auf Teufel komm raus." Ganz im Sinne der "Herren Pragmatiker".
P.S.: Ein Vorschlag hinsichtlich der vereinfachten "Definition", Linke seien allgemein Leute, "denen ein Leben im Anblick massenhaften Elends schwer erträglich ist": Wie wäre es z.B. noch einfacher mit: Linke sind einfach gute Menschen; oder: Wir sind die Guten.
Christoph Bumb
Luxemburg

Standortvorteil

KONKRET 6/06: "Fortpflanzung: Mangelhaft" von Magnus Klaue

Der Beitrag "Fortpflanzung: Mangelhaft" ist gut. Er wäre besser, verzichtete er darauf, ein Motiv für den Wunsch des Kapitals nach mehr deutschen Kindern zu ergründen. Mit Produktionsverlagerung in Billiglohnländer, mit grenzüberschreitendem, nahezu unbehindertem Austausch von Waren und Arbeitskräften verschiebt das Kapital doch erfolgreich und kostengünstig die Kräfteverhältnisse zu Ungunsten der hier abhängig Beschäftigten.
Wofür braucht die Wirtschaft dennoch ausgerechnet Deutsche? Woher die Angst vor dem Aussterben dieses Volkes? Warum Anreize, um die Gebärfreudigkeit deutscher Frauen zu erhöhen? Weil schon Wölfe in der Lausitz gesichtet wurden? Oder ein Bär in Bayern, der vom dortigen Umweltminister zum Abschuß freigegeben wurde? Jedenfalls kann ich für das Kapital keinen Nachteil erkennen, stürben die Deutschen aus. Und für mich auch nicht.
Wolfgang Helbig,
Waiblingen

Bachschändung

KONKRET 6/06: "Isar aufwärts" von Günter Herburger

Als Bewohnerin desselben Münchner Viertels und aufgrund von Kinderwagenbesitz Viel-Spaziergeherin bin ich Ihnen mit Vergnügen isarauf- und wieder abwärts gefolgt. Umso bestürzter war ich, daß auch Sie dilettantisch den Westermühlbach als Glockenbach verunglimpfen. Zwar nennt sich das angrenzende Viertel Glockenbachviertel, der dazugehörige Bach jedoch verläuft heute nur noch unterirdisch auf gerade mal kläglichen 500 Metern, während der erhabene Westermühlbach auf einer Länge von über einem Kilometer durch sein romantisches Betonbett strömt (alles detailliert nachzulesen im Buch Geschichte der Münchner Stadtbäche von Christine Rädlinger, das Sie gerne bei einer gemeinsamen Suppe im Kapuzinerkloster einsehen können). Da Ihnen das Wohl der Benachteiligten am Herzen zu liegen scheint, bitte ich Sie, die Würde des mißachteten Westermühlbaches in Zukunft nicht mehr durch falsche Namensgebung anzutasten.
Marie-Luise Kunst
per E-Mail

Ach, Frau Westermühlbach, und schon Westermühlenbach wäre im Klang besser; ich nahm natürlich GLOCKENbach, ob verrohrt oder nicht, außerdem steht dort das schiefe Haus von Tau. Als Berufslügner muß ich auf Kleinigkeiten achten und sie umdrehen, sonst wird daraus nichts.
Dank und Grüße, Günter Herburger

Atomkot

KONKRET 5/06: Absolut skrupellose Leute" von Detlef zum Winkel

Wenn den Betreibern von Geesthacht in den 1980er Jahren Uran- oder Plutoniumbrennstoff um die Ohren geflogen sein soll, so dürfte er nicht in Form von hochsymmetrischen, kugelförmigen Partikeln im Boden zu finden sein, sondern als amorphe, zersplitterte Trümmerteilchen. Auch halte ich die Herstellung von Kugel-Brennstoff mit Titan-Ummantelung im Mikrometerbereich für technologisch weder machbar noch sinnvoll. Der ganze Mythos wäre leicht zu beweisen oder zu widerlegen durch den Nachweis einer signifikant höheren Radioaktivität von Bodenproben aus der Nähe von Geesthacht, verglichen mit einer aus der Ruhrstraße in Hamburg beispielweise. Bis dahin präferiere ich die unspektakuläre Wurmkot-Theorie. Detlef zum Winkels Thesen haben ohnehin eine kurze Halbwertszeit. Die Behauptung, der Iran könne kein Nuklear-Programm wegen islamischer Lebens- und Denkweise auflegen, wurde kurz darauf durch entsprechende Pressemitteilungen widerlegt.
Stefan Jahn,
München

Wurmkot mit Uran, Thorium und Plutonium? Mit oder ohne Titan? Wenn Sie das nachweisen könnten, dann würden Sie wahrscheinlich eine neue wissenschaftliche Disziplin begründen, eine Art Nuklearbiologie. Aber ein bißchen mehr müssen Sie und der hessische Umweltminister schon bieten, wenn Sie ernstgenommen werden wollen. Tatsache ist, daß ein neues Verfahren zur Herstellung von Kernbrennstoff-Grundmaterial ursprünglich in der Schweiz am heutigen Paul-Scherrer-Institut entwickelt wurde. Dabei werden Brennstoffkügelchen von der beschriebenen Art (pac) benutzt. In Deutschland, nämlich in Hanau, wurden die Brennelemente für den Hochtemperaturreaktor aus solchen Brennstoffpartikeln hergestellt. So heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) vom März 2001. Eines sollte noch ergänzt werden: Auch in jenem Schweizer Institut gab es - am 24. Mai 1983 - einen Plutoniumunfall beim Umgang mit dem "Wurmkot".
Detlef zum Winkel

KONKRET Text 56


KONKRET Text 55


Literatur Konkret Nr. 36